Manus Webtagebuch

15.5.05

Oslo V - Die große Wanderung: Der Abstieg

Sanft entschwebt??? Mitnichten, denn die Luft verlierende Isomatte beschert mir schon bald unsanften Bodenkontakt, außerdem wird es bald unangenehm kalt - ich muß irgendwann meine als Kopfkissen missbrauchte Fleecejacke anziehen, habe dadurch natürlich kein Kopfkissen mehr und weiß irgendwann, zwischen etlichen Halbschlafphasen, gar nicht mehr, wie ich hinliegen soll, ohne daß mein Nacken noch mehr schmerzt, abgesehen, von den anderen Körperpartien, die so unzulänglich gegen den Boden gepolstert sind.

Nun, jede Nacht hat ein Ende, so auch diese, wobei ich interessanterweise gegen Morgen nochmal halbwegs einschlafe, sobald die Nachttemperaturen etwas steigen und die Sonne das Zelt erwärmt (wohlgemerkt, das ist hier und heute schon so gegen fünf Uhr der Fall!).
Das Esbit reicht noch für ein Cappuchino, die mitgebrachten belegten Brote für ein schmales Frühstück, und dann gehts wieder talwärts; mit wesentlich weniger Schwung und Elan wie es tags zuvor den Berg hoch ging, tun doch schließlich alle Glieder weh *grins*

Es zermürbt irgendwie, ständig bergab zu gehen. Judiths Blasen an den Füssen erleichtern dieses nicht gerade, während mein verklemmter Nerv im Hals von gestern immer noch eifrig nervt (kein Wunder, bei der Isomatte).
Ich wähle eine Weg ins Tal, der zwar auf der Karte verzeichnet ist, aber in der Realität teilweise an die Nichtexistenz grenzt - wir schlagen uns durch fast zugewachsene Kaninchenpfade, zwischen Bäume hindurch, verlieren einmal den Weg sogar kurz, um dann zum Glück doch wieder die leicht ausgetretene Linie durchs Gras zu erkennen - endlich überquerten wir Bäche, dann tauchten Telegrafenleitungen auf, und erstaunlicherweise stimmte alles mit der Karte noch überein; wir scheinen noch auf dem richtigen Weg zu sein :-)

Dann geraten wir sogar auf richtiggehend breite Wege, auch wenn sie üppig gefüllt mit großen Pfützen und Seen sind (Pfützenschützer hätten ihre wahre Freude hier - sie bekamen durch unsere Flüche bestimmt so einige Anbetung weg), die schlußendlich zu einer TIEFEN Silbergrube führen, wo man sogar mal durch eine Tür im Absperrgitter näher heran und einen Blick in die Tiefe werfen konnte. Ein interessanter Vorgang: erblickt man zunächst im Herangehen lediglich die gegenüberliegenden Felswände der vielleicht 20-30 m durchmessenden Grube, weicht der Boden immer weiter zurück, je näher man dem Geländer kommt, bis man schließlich vorne steht und erschrocken in gähnende Tiefen schaut, wo noch massig Schnee lieg. Sehr beeindruckend.

Nun denn, der letzte Rest ist nicht mehr weiter wild - immer abwärts, und schließlich über einen Alternativpfad entlang eines kleinen, aber steilen Querhügels, immer begleitet durch niedrige Steinmäuerchen mitten im Wald, zurück auf die ursprüngliche Straße nach Kongsberg.

Wir sind sehr erleichert, wieder am Bus-Bahnhof zu sitzen ... doch auch sehr glücklich über die hinter uns liegende Wanderung. Etwas viel dafür, daß wir beide eigentlich völlig außer Form sind, aber trotzdem schön :-)

Übrigens schmerzten die Beine nach der anderthalbstündigen Busfahrt noch VIEL mehr als davor!! Und so humpelten wir eben wie alte Leute, jammernd und uns selbst bemitleidend, zum Studentenwohnheim, wo wir erstmal uns stundenlangen heißen Duschen und hemmungslosem Herumfaulenzen hingaben. :-D